Bericht vom Teletext anfangs Februar 2005

Konstant schneller

Der Rodler Stefan Höhener

- Pascal Mathis -

Der Zürcher Rodler Stefan Höhener hat in diesem Winter den Durchbruch geschafft: Der 24-Jährige war für das beste Schweizer Weltcup-Resultat aller Zeiten besorgt. Die Erfolge wecken die Lust auf mehr - beispielsweise auf einen Toprang an Olympia 2006.

Das Spitzenresultat in Winterberg
Findet eine Sportart im Eiskanal statt, sind die Schweizer an der Weltspitze sehr oft vorne mit dabei. So ist Bobfahrer Martin Annen derzeit nur schwer zu schlagen, während im Skeleton die Schweiz mit Gregor Stähli einen Olympia-Medaillengewinner stellt. Aber wie sieht es im Rodeln aus?

Seit diesem Winter ist die Schweiz auch in dieser hierzulande wenig beachteten Sportart vorne vertreten. Stefan Höhener hat den Anschluss an die Weltspitze geschafft. Beim Weltcup-Rennen in Winterberg kam der 24-Jährige vor einem Monat auf Rang 4. So gut war vor ihm noch nie ein Schweizer klassiert.

Das erste Jahr als Halbprofi
Der Aufstieg von Stefan Höhener in die erweiterte Weltspitze der Rodler ist bemerkenswert. Der bisherige Karriere- Verlauf gleicht einem Steigerungslauf.

So war er in den letzten Jahren am Ende der Saison fast immer besser klassiert als im Winter zuvor. 23, 18, 18 und 14
lauten die letzten Klassierungen im Gesamt-Weltcup. Derzeit ist der Obfelder gar auf dem 11. Platz rangiert.

Ein Grund der neuesten Leistungsentwicklung Höheners ist der Schritt zum Halbprofitum. In der Saisonvorbereitung letzten Sommer arbeitete der gelernte Maurer erstmals "nur" zu 50 Prozent.

Zuerst dank deutscher Hilfe nach oben
Den Hauptgrund des Fortschritts ortet Stefan Höhener aber in der Betreuung. Seit einem Jahr hat die Schweiz einen
eigenen Trainer. Reiste dieser im letzten Winter noch an die Hälfte der Rennen, ist er nun vollamtlich mit dabei.

Zuvor waren Höhener und seine Kollegen ausschliesslich auf fremde Hilfe angewiesen. Die Schweizer genossen bei
Deutschland quasi Gastrecht - und auch heute noch wird gemeinsam trainiert.

Durch die deutsche "Entwicklungshilfe" (Zitat Höhener) hat nun auch die Schweiz einen ersten absoluten Spitzenfahrer in dieser Sportart.

Olympia-"Hauptprobe" abgesagt
Mit der WM in Park City steht für die Rodler übernächste Woche der Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Stellt Stefan Höhener seine gute Form auch in Nordamerika unter Beweis, ist der erstmalige Top-10-Vorstoss an einer WM oder an Olympia durchaus möglich.

Zunächst testete Höhener aber noch in Cesana. Im neugebauten Eiskanal in der Nähe von Turin hätte der Olympiatest
stattfinden sollen. Wegen einer Anzahl schwerer Stürze, mehrheitlich von "Exoten", wurden die Weltcup-Rennen aber am
Mittwoch abgesagt. Höhener wird hoffen, in zwölf Monaten in Cesana für bessere Schlagzeilen sorgen zu können.

WORT FÜR WORT mit Stefan Höhener
Vor nicht allzu langer Zeit war der Obfelder noch ein Rodler unter vielen, mittlerweile ist er zum regelmässigen
Gast in den Top-10 des Weltcups avanciert. Höhener hat sich zuletzt klar steigern können, was den Vierten von
Winterberg selber überrascht.

Stefan Höhener zu seinen Fortschritten:
"Eine solche Steigerung habe ich sicher nicht erwarten dürfen. Diesen Winter war das Ziel einfach, in die ersten
Zehn reinzufahren. Ab Neujahr begann es dann zu laufen, und jetzt nehme ich es gerne in Kauf. (lacht) Die Resultate
motivieren, und man gibt jetzt umso mehr Einsatz."

WORT FÜR WORT mit Stefan Höhener
Höhener hat beim Challenge-Cup mehrfach unter Beweis gestellt, dass nicht mehr viel bis ganz an die Spitze fehlt. Bei
dieser vom Niveau mit dem Weltcup vergleichbaren Serie fuhr er in diesem Winter bereits zweimal aufs Podest.

Stefan Höhener und seine Perspektiven:
"An der Spitze ist es eng; viel fehlt mir also nicht mehr. Am Start und auch vom Fahrkönnen her bin ich gut, aber da
und dort gibt es immer wieder Sachen, die schnellere Zeiten bringen würden. Die guten Fahrer sind auch alle etwas
älter als ich. Auch da fehlt mir noch ein Stückchen..."