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Kurz vor seiner Abreise an die nächsten Weltcuprennen traf
sich Stefan nochmals mit dem Vorstand seines Fanclubs. Mit dem Geld, was
Ende Saison noch in der Vereinskasse gelegen hatte, konnte der Fanclub
ein paar neue Kufen (Wert ca. 1'000 Fr.) für diese Saison finanzieren.
Diese Kufen wurden Stefan feierlich übergeben und sollen ihm helfen noch
schneller zu werden.

Beim Gespräch in der Küche trinkt Stefan artig seinen Maishaartee,
dieser reinigt die Poren und schmeckt nicht einmal so scheusslich, das
behauptet jedenfalls Stefan. Doch alle anderen Anwesenden sind sich einig
das er den Tee ganz für sich alleine haben darf.
Wenn wir schon beim Tee sind, wie sieht es mit deinem Gewicht
aus, bist du jetzt endlich schön schwer?
Als ich die Koffer gepackt habe, bin ich auch schnell auf die
Waage gestanden, ich bin mit Kleider 78.8 kg schwer. Ich werde in dieser
Saison also immer noch Bleiblatten mit mir auf den Schlitten nehmen. Das
Blei, welches ich im Anzug verstaue ist etwa 8 kg schwer. Ohne Schlitten
komme ich so knapp unter 90 kg. Laut Reglement darf alles zusammen nicht
schwerer als 114.5 kg sein. Diese Saison ist nichts mehr mit Gewicht zunehmen
"chasch ja nöd die ganz Zit Schoggi esse". Für das nächste Jahr will ich
auf 83 kg Eigengewicht kommen.
Wie sieht es mit deiner Gesundheit aus? Bist du jetzt eine
von diesen überzüchteten Maschinen, das man dich schon anschieben muss?
Nein, nein. Ich habe an meinem untersten Wirbel einen kleinen
Vorsatz auf der linken Seite. Dieser Vorsatz hat sich durch die Reibung
entzündet und deshalb geschmerzt. Dieser Schmerz kam urplötzlich und ich
konnte mich kaum mehr bücken, deshalb haben sie mir empfohlen mich beim
dem angesprochenen Rennen anzuschieben. Ich war nicht einmal so langsam.
Wie verarbeitest du den Unfall von Patrick Habegger? Blockiert
dich so ein Ereignis?
Ihm geht es den umständen entsprechend wieder etwas besser.
Er hat nach seinem Sturz, bei dem er den Kopf angeschlagen hat, jetzt
schon 10 kg abgenommen. Er braucht immer noch sehr viel Ruhe nach zweieinhalb
Stunden ist er schon wieder so müde das man ihn ins Bett bringen muss.
Bei meinen Rennen denke ich nicht an die Möglichkeit eines
Unfalls, du denkst ja auch nicht an einen Autounfall wenn du ins Auto
steigst. Ich gehe also davon aus, dass ich jetzt nicht langsamer fahre.
Was erwartet dich in den USA? Was machst du zwischen den Rennen
und Trainings? Hast du viel Freizeit?
Diesmal bin ich der einzige Schweizer, bin aber die ganze Zeit
mit den Rodlern aus Deutschland zusammen. Neben den Rennen und den Trainings
haben wir recht viel Freizeit. Von den 21 Tagen habe ich 10 kein Programm.
Auch zwischen den einzelnen Trainingseinheiten hast du locker ein bis
zwei Stunden nichts zu tun "gähn". Wir trinken am Abend dann zusammen
etwas, nicht immer Maishaartee "schmunzel".
Da die Rennanlagen in den USA jeweils abseits liegen, musst
du zuerst eine Stunde Autofahren bis zur nächsten Stadt und dort ist auch
noch nichts los, deshalb lohnt es sich nicht gross in Ausgang zu gehen.
Die Ausnahme ist Calgary, diese Stadt gefällt mir sehr, da bist du zentral
gelegen und es wird auch einiges geboten. Da können wir zum Beispiel einmal
ein Eishockeymatch besuchen oder sonst was unternehmen.
Wenn du in den Staaten jünger als 21 bist kannst du dich
ja sowieso gerade einsperren, zum Glück habe ich diese Grenze bereits
überschritten.
Wie steht es denn mit deinen Englischkenntnissen?
"ich chann keis Wort, aber das klappt scho".
Wie läuft so eine Dopingkontrolle im Spitzensport ab?
Da ruft jeweils einer an und fragt nach mir. Und damit keiner
abhauen kann wird dieses Telefon etwa 5 Minuten bevor er hier ist geführt.
Wenn er dich am Telefon erreichen kann musst du durch das Prozedere. Zuerst
musst du ein Formular ausfüllen und dann kommt der Gang zum WC. Der Kontrolleur
bringt auch genug zu Trinken mit, für den Fall, dass du gerade auf der
Toilette warst. Dann wird halt getrunken und gewartet bis man wieder einen
Druck verspürt. Wenn es dann soweit ist begleitet dich der nette Herr
auf die Toilette und vergewissert sich auch woher das Wässerchen kommt,
welches im Becherchen landet.
Man gewöhnt sich an alles, die Kollegen aus Deutschland
werden viel häufiger kontrolliert.
Wird auch das Material getestet?
Ja nach den Rennen musst du eine Kugel ziehen, wenn du die
rote Kugel erwischt wird die ganze Ausrüstung kontrolliert. Dies ist sehr
mühsam, deshalb versuche ich jeweils die Weisse zu erwischen.
Was sind deine Ziele für die Saison 2003/2004?
Ich will bei den Weltcuprennen jeweils unter die ersten 15
fahren. Mindestens einmal möchte ich auch einen Platz unter den besten
10 erreichen, welches ich mit dem Rennen in Altenberg mit meinem 11. Rang
schon fast erreicht habe. Am liebsten hätte ich Ende Saison so 200 Weltcup
Punkte auf dem Konto oder den aktuellen Platz den ich im Moment habe (13.
grins, grins).
Im Namen von allen Fanclub Mitgliedern wünschen wir dir Stefan
weiterhin viel Erfolg in den nächsten Rennen.
Interview: Roger Hinners
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