Interview Dezember 2003

Kurz vor seiner Abreise an die nächsten Weltcuprennen traf sich Stefan nochmals mit dem Vorstand seines Fanclubs. Mit dem Geld, was Ende Saison noch in der Vereinskasse gelegen hatte, konnte der Fanclub ein paar neue Kufen (Wert ca. 1'000 Fr.) für diese Saison finanzieren. Diese Kufen wurden Stefan feierlich übergeben und sollen ihm helfen noch schneller zu werden.

Beim Gespräch in der Küche trinkt Stefan artig seinen Maishaartee, dieser reinigt die Poren und schmeckt nicht einmal so scheusslich, das behauptet jedenfalls Stefan. Doch alle anderen Anwesenden sind sich einig das er den Tee ganz für sich alleine haben darf.

Wenn wir schon beim Tee sind, wie sieht es mit deinem Gewicht aus, bist du jetzt endlich schön schwer?
Als ich die Koffer gepackt habe, bin ich auch schnell auf die Waage gestanden, ich bin mit Kleider 78.8 kg schwer. Ich werde in dieser Saison also immer noch Bleiblatten mit mir auf den Schlitten nehmen. Das Blei, welches ich im Anzug verstaue ist etwa 8 kg schwer. Ohne Schlitten komme ich so knapp unter 90 kg. Laut Reglement darf alles zusammen nicht schwerer als 114.5 kg sein. Diese Saison ist nichts mehr mit Gewicht zunehmen "chasch ja nöd die ganz Zit Schoggi esse". Für das nächste Jahr will ich auf 83 kg Eigengewicht kommen.

Wie sieht es mit deiner Gesundheit aus? Bist du jetzt eine von diesen überzüchteten Maschinen, das man dich schon anschieben muss?
Nein, nein. Ich habe an meinem untersten Wirbel einen kleinen Vorsatz auf der linken Seite. Dieser Vorsatz hat sich durch die Reibung entzündet und deshalb geschmerzt. Dieser Schmerz kam urplötzlich und ich konnte mich kaum mehr bücken, deshalb haben sie mir empfohlen mich beim dem angesprochenen Rennen anzuschieben. Ich war nicht einmal so langsam.

Wie verarbeitest du den Unfall von Patrick Habegger? Blockiert dich so ein Ereignis?
Ihm geht es den umständen entsprechend wieder etwas besser. Er hat nach seinem Sturz, bei dem er den Kopf angeschlagen hat, jetzt schon 10 kg abgenommen. Er braucht immer noch sehr viel Ruhe nach zweieinhalb Stunden ist er schon wieder so müde das man ihn ins Bett bringen muss.

Bei meinen Rennen denke ich nicht an die Möglichkeit eines Unfalls, du denkst ja auch nicht an einen Autounfall wenn du ins Auto steigst. Ich gehe also davon aus, dass ich jetzt nicht langsamer fahre.

Was erwartet dich in den USA? Was machst du zwischen den Rennen und Trainings? Hast du viel Freizeit?
Diesmal bin ich der einzige Schweizer, bin aber die ganze Zeit mit den Rodlern aus Deutschland zusammen. Neben den Rennen und den Trainings haben wir recht viel Freizeit. Von den 21 Tagen habe ich 10 kein Programm. Auch zwischen den einzelnen Trainingseinheiten hast du locker ein bis zwei Stunden nichts zu tun "gähn". Wir trinken am Abend dann zusammen etwas, nicht immer Maishaartee "schmunzel".

Da die Rennanlagen in den USA jeweils abseits liegen, musst du zuerst eine Stunde Autofahren bis zur nächsten Stadt und dort ist auch noch nichts los, deshalb lohnt es sich nicht gross in Ausgang zu gehen. Die Ausnahme ist Calgary, diese Stadt gefällt mir sehr, da bist du zentral gelegen und es wird auch einiges geboten. Da können wir zum Beispiel einmal ein Eishockeymatch besuchen oder sonst was unternehmen.

Wenn du in den Staaten jünger als 21 bist kannst du dich ja sowieso gerade einsperren, zum Glück habe ich diese Grenze bereits überschritten.

Wie steht es denn mit deinen Englischkenntnissen?
"ich chann keis Wort, aber das klappt scho".

Wie läuft so eine Dopingkontrolle im Spitzensport ab?
Da ruft jeweils einer an und fragt nach mir. Und damit keiner abhauen kann wird dieses Telefon etwa 5 Minuten bevor er hier ist geführt. Wenn er dich am Telefon erreichen kann musst du durch das Prozedere. Zuerst musst du ein Formular ausfüllen und dann kommt der Gang zum WC. Der Kontrolleur bringt auch genug zu Trinken mit, für den Fall, dass du gerade auf der Toilette warst. Dann wird halt getrunken und gewartet bis man wieder einen Druck verspürt. Wenn es dann soweit ist begleitet dich der nette Herr auf die Toilette und vergewissert sich auch woher das Wässerchen kommt, welches im Becherchen landet.

Man gewöhnt sich an alles, die Kollegen aus Deutschland werden viel häufiger kontrolliert.

Wird auch das Material getestet?
Ja nach den Rennen musst du eine Kugel ziehen, wenn du die rote Kugel erwischt wird die ganze Ausrüstung kontrolliert. Dies ist sehr mühsam, deshalb versuche ich jeweils die Weisse zu erwischen.

Was sind deine Ziele für die Saison 2003/2004?
Ich will bei den Weltcuprennen jeweils unter die ersten 15 fahren. Mindestens einmal möchte ich auch einen Platz unter den besten 10 erreichen, welches ich mit dem Rennen in Altenberg mit meinem 11. Rang schon fast erreicht habe. Am liebsten hätte ich Ende Saison so 200 Weltcup Punkte auf dem Konto oder den aktuellen Platz den ich im Moment habe (13. grins, grins).

Im Namen von allen Fanclub Mitgliedern wünschen wir dir Stefan weiterhin viel Erfolg in den nächsten Rennen.

Interview: Roger Hinners