Interview - Auf dem Weg nach Turin 2006

Der 23-jährige Säuliämtler aus Obfelden steigt mit ehrgeizigen Zielen in die neue Saison. Nach seinem bisher grössten Erfolg, dem 13. Rang an den Olympischen Spielen in Salt Lake City, hat Stefan die Weichen klar Richtung Olympiade in Turin gestellt.
Im Kontrast zum Spitzensport, steht seine Tätigkeit im Betrieb seines Vaters. Dort sitzt er am Steuer eines Mähdreschers oder Baggers und arbeitet an diversen Orten, vom Maisfeld bis zur Baugrube und dies nicht nur Teilzeit sondern eher über 100%!! Das Sommertraining, betreut durch seinen Trainer Rene Grab, hat gleich nach der letzten Saison begonnen.

Joggen und Biken
„Mit einem speziellen Kraft- und Ausdauertraining habe ich bereits im April und Mai begonnen“, erklärt Stefan Höhener, „da dies das A und O für das Rodeln, bzw. für jeden athletischen Sport ist.“ Dabei steht er nicht nur als Einzelkämpfer da, sondern trainiert auch beim lokalen Turnverein eifrig mit. Beim Einzeltraining geht es jeweils rennend durch den Wald und auch der nahgelegenen Reuss entlang. Auch das Bike kommt beim Ausdauertraining zum Zug. In 2 ½ Stunden führt der Weg zum Beispiel aufs Albishorn, das 900 Meter über Meer liegt. „Da kommen schnell mal 40 Kilometer zusammen“, sagt der Athlet. Auch absolviert er ein abwechslungsreiches Koordinatives Training zum Beispiel auf dem Einrad „Ich schaffe schon 50 Meter!“ oder auf dem Trampolin, Jonglieren usw.

Training in fremden Lande
Ein professioneller Teil des Trainings findet in Deutschland statt. Schon seit Jahren haben die Schweizer Rodler die Möglichkeit mit der Deutschen Nationalmannschaft zu trainieren. Diese trainierte im Bundeswehr-Zentrum in Oberhof. Zusammen mit zum Beispiel Silke Kraushaar und Sylke Otto wurde vor allem die Starttechnik verfeinert. Diese 2 Wochen sind äusserst wertvoll, bieten sie doch auch einen Einblick in die Rodelnation Deutschland und deren Training.

Die Strassen hinunter
Zurück in der Schweiz wurde im Juli mit dem Rolltraining begonnen. Um das Fahrgefühl zu verbessern, kommt ein speziell konstruiertes Gefährt zum Einsatz. Dieser strassenfähige Schlitten ist mit Rollen versehen. Es wird auf einer geneigten Strasse eine Slalompiste hinuntergefahren, wobei wie beim Rodeln auf dem Eis grösstenteils mit dem Druck der Beine gesteuert wird. Dazu reiste Stefan Höhener jedes Mal in die Nähe von Solothurn, wo er eine geeignete Strasse in einer Kiesgrube nutzen konnte.

Besser als im Vorjahr
Die Verfeinerung des Starttrainings ist im August in Angriff genommen worden. Einerseits wurde der Start in der Eishalle in Küssnacht trainiert, anderseits auch auf einer selbstgebauten Anlage ohne Eis zuhause. Diese Anlage ist eine kleine Rampe auf deren man den Start üben kann. Während der ganzen Vorbereitungszeit wird das Krafttraining natürlich fortgesetzt. Die diesjährige Vorbereitungszeit hat sich für Stefan sehr bezahlt gemacht. „Ich konnte mich in allen Bereichen verbessern oder das Vorjahresniveau halten.“ Gute Aussichten also für die kommende Saison.

Ehrgeizige Ziele für 2003/2004
Auf die Ziele für die Saison 2003 und 2004 angesprochen, kommt Stefan ins Grübeln. Das sei immer relativ schwierig. „Im Weltcup strebe ich bei jedem Rennen eine Klassierung unter den ersten 15 an. Dabei sollte schon mal ein Resultat in den Top Ten herausschauen.“ Für die Europameisterschaften sieht er sein Ziel, hinter den deutschen und italienischen Teilnehmern, um den 10. Rang herum. Bei einer Prognose für die Weltmeisterschaften zögert der amtierende Schweizermeister, definiert dann aber sein ehrgeiziges Ziel unter den 12 Besten landen zu wollen. Hoffen wir, dass dies Stefan Höhener gelingen wird und wünschen ihm für die definierten Ziele viel Erfolg!

Dominik Stierli